Leadership im Kontext von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz

Sylke Piéch – Forscherin am DFKI und Direktorin des Instituts für Leadership & HR Management an der Internationalen Akademie Berlin

Führungskräfte sind die Pioniere der Digitalisierung.

Von ihnen hängt maßgeblich ab, wie Unternehmen und öffentliche Institutionen den digitalen Wandel vollziehen.

Sie tragen wesentlich dazu bei, Kolleginnen und Kollegen für die Arbeit mit neuen Technologien zu gewinnen und sie in der Nutzung sozialer Medien, mobiler Systeme und KI-Werkzeuge zu unterstützen.

Leadership im Kontext von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz

Aus diesem Grund ist es für Führungskräfte besonders wichtig, digitales Wissen zu erwerben und sich im Umgang mit neuen Technologien kontinuierlich weiterzubilden. Neben digitalen Schlüsselqualifikationen wie Data Literacy, digitaler Kommunikation und Kollaboration gehört auch der souveräne Umgang mit mobilen und onlinebasierten Systemen zur Leistungsbewertung oder Personalentwicklung zunehmend zum Alltag moderner Führung.

Darüber hinaus wird es immer wichtiger, Führungsaufgaben auch im virtuellen, interkulturellen und hybriden Raum professionell auszuüben.

Neue Anforderungen an Führung in digitalen Arbeitswelten

Digitale Technologien ermöglichen eine neue Form der Zusammenarbeit. Arbeit kann zunehmend ortsunabhängig erfolgen – etwa im Homeoffice oder unterwegs. Gleichzeitig erfordert die Globalisierung eine verstärkte virtuelle, interdisziplinäre und interkulturelle Zusammenarbeit.

Hinzu kommt eine weitere Entwicklung: hybride Teams, in denen Menschen gemeinsam mit Robotern oder KI-gestützten Systemen arbeiten. Ziel ist es, die Stärken beider Seiten zu kombinieren – Präzision und Ausdauer der Maschinen mit der Kreativität und Problemlösungskompetenz des Menschen.

Führungskräfte stehen damit vor der Herausforderung, ihr Führungsverhalten in sehr unterschiedlichen Teamkonstellationen anzuwenden.

Teamformate im Überblick

  • Präsenzteams
  • Virtuelle Teams
  • Interkulturelle Teams
  • Interdisziplinäre Teams
  • Hybride Teams

Um diese verschiedenen Formen der Zusammenarbeit erfolgreich zu gestalten, benötigen Führungskräfte umfassendes Wissen über Führungsstrategien sowie über geeignete Instrumente der Personalführung.

Der situative Führungsstil als agiler Führungsansatz

In der Managementforschung existiert eine Vielzahl unterschiedlicher Führungsansätze. Um den Herausforderungen der digitalen Transformation gerecht zu werden, gewinnen agile Führungsmodelle zunehmend an Bedeutung.

Ein Beispiel hierfür ist das Modell der situativen Führung von Hersey, Blanchard und Johnson. Die zentrale Aussage lautet: Es gibt keinen universell „besten“ Führungsstil. Stattdessen sollte Führung immer an die Fähigkeiten und Motivation der Mitarbeitenden angepasst werden.

Das Modell unterscheidet vier Stufen der Selbstständigkeit:

  • Stufe 1: Mitarbeitende verfügen weder über das nötige Wissen noch über die Motivation.
  • Stufe 2: Motivation ist vorhanden, jedoch fehlt das erforderliche Fachwissen.
  • Stufe 3: Kompetenz ist vorhanden, Motivation oder Sicherheit fehlen jedoch.
  • Stufe 4: Mitarbeitende verfügen sowohl über Kompetenz als auch über Motivation.

Daraus ergeben sich vier Führungsformen:

  • Anweisen
  • Überzeugen
  • Partizipieren
  • Delegieren

Dieses Modell verlangt von Führungskräften ein hohes Maß an Reflexionsfähigkeit, Kommunikationskompetenz und Empathie.

Digital Leadership und neue Führungskultur

Digital Leadership beschreibt eine Führungskultur, die den digitalen Wandel aktiv gestaltet. Führungskräfte nutzen nicht nur klassische Instrumente, sondern integrieren digitale Tools, soziale Medien und KI-Systeme in ihre Arbeit.

Gleichzeitig verlangt die digitale Transformation neue Kompetenzen: vernetztes Denken, Experimentierfreude und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen. Fehler werden dabei zunehmend als Lernchancen verstanden.

Eine moderne Führungskultur basiert daher auf gegenseitigem Respekt, Transparenz und Wertschätzung. Sie schafft ein Umfeld, in dem Innovation möglich ist und Mitarbeitende ihre Fähigkeiten bestmöglich einbringen können.

Führung in virtuellen und hybriden Teams

Die Zusammenarbeit in virtuellen Teams bringt neue Herausforderungen mit sich. Kommunikation erfolgt häufig über digitale Kanäle, wodurch nonverbale Signale nur eingeschränkt wahrgenommen werden können.

Führungskräfte müssen daher besonders auf klare Kommunikation, transparente Entscheidungsprozesse und eindeutige Rollenverteilungen achten.

Auch bei der Mensch-Roboter-Kollaboration ist es entscheidend, dass der Einsatz von KI-Systemen von den Mitarbeitenden akzeptiert wird und klare Regeln für Datenverarbeitung, Entscheidungsgrundlagen und Datenschutz gelten.

Fazit

Digital Leadership wird zunehmend zum Motor der digitalen Transformation. Führungskräfte müssen technologische Entwicklungen verstehen und gleichzeitig eine Führungskultur schaffen, die Zusammenarbeit, Innovation und Verantwortung fördert.

Der situative Führungsstil bietet dabei einen wirkungsvollen Ansatz, um sowohl individuelle Mitarbeitende als auch komplexe Teamstrukturen erfolgreich zu führen.

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Leadership im Kontext von Digitalisierung und KI

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